„Wer sich nicht an die Vergangenheit erinnert, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen“. Dieses Zitat des spanisch-amerikanischen Philosophen George Santayana begegneten die 25 Schülerinnen und Schüler der Kaufmännischen Schulen, als sie am 10. Februar Block 4 im Stammlager der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau betraten. Ihnen wurde damit noch einmal eindrücklich der Sinn der jährlichen Gedenk­stättenfahrt ins Gedächtnis gerufen: zu erinnern, aber auch zu verstehen, wie die menschen­verachtende Vernichtungspolitik der Nationalsozialisten entstand und wie sie vollzogen wurde. Damit sich Vergleichbares nicht wiederholen wird. Und so führte die jungen Erwachsenen der Weg von der perfiden Detailliertheit der Lagerbürokratie hin zur Selektion an der so genannten „Judenrampe“ hin zu den unsäglichen Lebensbedingungen derjenigen, die „nur“ inhaftiert und nicht sofort vergast wurden. Bei winterlichen Temperaturen eingehüllt in dicke Jacken fiel es schwer sich vorzustellen, wie die Inhaftierten damals die schwere körperliche Arbeit in dünnen Häftlings-Uniformen bei mangelhafter Verpflegung verrichten konnten. Die meisten konnten es nicht – „Arbeit macht frei“ lautete der zynische Spruch am Eingangstor. Freiheit nur durch den Tod.

Nach den Eindrücken in Auschwitz-Birkenau bot Krakau eine willkommene Abwechslung. Hier durften die Schülerinnen und Schüler auch ein wenig den Duft polnischer Gegenwart schnuppern. Allein die 200.000 Studierenden in Krakau sorgen für reichlich Lebendigkeit auf den Plätzen und in Geschäften und Kneipen. Aber auch in Krakau suchte die Gruppe viele Orte auf, an denen man sich erinnern kann: im jüdischen Viertel Kazimierz eine Synagoge und der benachbarte Friedhof, im Stadtzentrum der geschichtsträchtige Königshügel Wawel und auf der anderen Seite der Weichsel im Stadtteil Podgórze das Schindler-Museum und die Adler-Apotheke, über die während der Zeit des Ghettos Hilfe für die Juden organisiert wurde. Nach fünf Tagen waren die Köpfe voll und die Gemüter vermutlich ein wenig beschwert. Aber bei den begleitenden Lehrkräften war die Hoffnung gestärkt, dass das von dem im letzten Jahr verstorbenen Auschwitz-Überlebenden Marian Turski formulierte elfte Gebot Beachtung finden wird: „Du sollst nicht gleichgültig sein“.