Mit dem traditionellen Sommerfest wurde an den Kaufmännischen Schulen Rheine das Ende des Schuljahres eingeläutet. Dabei mischte sich in die Vorfreude auf die unterrichtsfreie Zeit auch Wehmut: Unter langanhaltendem Applaus, begleitet von persönlichen Botschaften aus den Fachgruppen und Bildungsgängen sowie vielen gemeinsamen Erinnerungen wurden Rolf Tenambergen, Dieter Tebbe, Eckhard Müller und Dr. Joerg Kremp aus dem Schuldienst verabschiedet.

Schulleiter Tobias Raue blickte auf das Schaffen der vier Pädagogen zurück. Schule, so machte er in seiner Ansprache deutlich, werde von den Menschen geprägt, „die sie mit Leben füllen“. Genau das sei den vier Kollegen über viele Jahre gelungen – jedem auf seine eigene Weise.

Nach einer Ausbildung bei der Sparkasse Rheine, dem Referendariat und elf Jahren am Richard-von-Weizsäcker-Berufskolleg in Lüdinghausen und Dülmen kehrte der gebürtige Rheinenser Rolf Tenambergen, ganz nach dem Motto: einmal Rheine – immer Rheine, 2007 an die Kaufmännischen Schulen zurück. Er unterrichtete die Wirtschaftsfächer BWL, VWL, Rechnungswesen und Bankenthemen, engagierte sich als Beratungslehrer und begleitete das Planspiel Börse. Tobias Raue würdigte ihn als Kollegen, der jungen Menschen nicht nur Wissen vermittelt, sondern Orientierung gegeben habe. Als jemanden, dessen ruhige und verlässliche Art von Schülerinnen und Schülern ebenso geschätzt wurde wie im Kollegium. In seiner eigenen Abschiedsrede stellte Tenambergen nicht berufliche Stationen, sondern die Menschen in den Mittelpunkt. Als Beratungslehrer habe er erfahren, dass „Zuhören manchmal wichtiger ist als gute Ratschläge“. „Begegnungen“, „Gespräche“ und „Gefährten“ hätten ihn durch 33 Jahre im Schuldienst getragen, ihn jung gehalten und dazu geführt – nicht nur als Wirtschaftslehrer – „am Ende eine positive Bilanz zu ziehen“.

Dieter Tebbe blickte auf einen Berufsweg zurück, der alles andere als geradlinig verlief: Der gelernte Journalist wechselte nach vielen Jahren bei den „Westfälischen Nachrichten“ in den Schuldienst an die Kaufmännischen Schulen und brachte seine Erfahrungen neben dem Unterricht vor allem in die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit ein. Schulleiter Raue würdigte zudem die zweite große Säule von Tebbes Wirken: Seinen Einsatz gegen Kinderarbeit und sexuellen Missbrauch. Mit „einem außergewöhnlichen Netzwerk“ und zahlreichen Aktionstagen habe er unzählige junge Menschen sensibilisiert und dafür gesorgt, dass diese Themen nicht „verschwiegen oder verdrängt“ werden.

Der Lehrerratsvorsitzende Christian Sondermann erinnerte augenzwinkernd an das legendäre Transportmittel, einen „immer noch nicht ergrauten Volvo Kombi“, ebenso unverwechselbar zu Tebbe gehörend wie Notizblock und Kamera. Tebbe selbst verglich seine berufliche Laufbahn, insbesondere seinen Einsatz in der Handelsschule, mit einer gemeinsamen, erlebnis- und abwechslungsreichen Busfahrt. Besonders geprägt habe ihn das, was auch als schulisches Leitbild fixiert sei: „Der Mensch im Mittelpunkt.“ Dieser Gedanke sei für ihn nie bloß ein Satz auf dem Papier gewesen, sondern gelebter Schulalltag: Beim „Spagat zwischen schnöder Wissensvermittlung und intensiver Betreuung der Schülerinnen und Schüler“. Zum Schluss richtete er den Blick nach vorn: Lehrkräfte seien heute weit mehr als reine Wissensvermittler. „Ihr werdet immer mehr zu Vermittlern der Welt“, gab er dem Kollegium mit auf den Weg. Dies erfordere viel Kraft – „denn ihr seid wichtig“.

Ganz anders, aber nicht weniger vielseitig verlief der berufliche Weg von Eckhard Müller: Physiker, Informatiker, Unternehmer – und schließlich Lehrer. Tobias Raue blickte auf den Weg eines Kollegen, der nie aufgehört habe, sich neuen Themen zuzuwenden. Jemanden, der „bereits in der Grundschule Lochkarten für den Großrechner“ programmiert habe und schließlich selbst als Lehrer mit den Fächern „Mathematik, Physik, Informatik, Webdesign – dazu auch Biologie oder ein Spezialkurs Astronomie“ eingesetzt worden sei. Der „nicht nur Wissen besitzt, sondern Zusammenhänge erklären kann“.

„Ich muss mein Gehirn weiter beschäftigen“, zitierte er Müller und brachte damit dessen ungebrochene Neugier auf den Punkt. Christian Sondermann ergänzte das Bild eines ebenso fachkundigen wie hilfsbereiten Kollegen, „der die Brücke schlagen kann vom kleinsten Quantum zur astrophysikalischen Beschreibung des gesamten Universums“.

Zum Abschluss blickte Tobias Raue auf das Wirken von Dr. Joerg Kremp. Mit ihm verabschiede die Schule einen Lehrer, der das Wirtschaftsgymnasium seit seinen Anfängen mit aufgebaut, „Verantwortung übernommen, begleitet, beraten und strukturiert“ habe, so Raue. Und der darüber hinaus über viele Jahre hinweg angehende Lehrkräfte am Studienseminar (später: ZfsL) Münster begleitet hat. „Unsere Schule blieb dein Zuhause“, würdigte Schulleiter Raue Kremps enge Verbundenheit mit den Kaufmännischen Schulen. Viele Referendarinnen und Referendare hätten zugleich seine Fähigkeit besonders geschätzt, „Unterricht nicht nur zu beurteilen, sondern verständlich zu machen“. Der gebürtige „kölsche Jung“ Kremp blickte musikalisch auf seinen Weg zurück und schloss – ganz Literat – mit den berühmten Worten aus Shakespeares Hamlet: „Der Rest ist Schweigen“, womit der offizielle Teil der Verabschiedung endete. Für das das Kollegium der Auftakt zur unterrichtsfreien Zeit – für Rolf Tenambergen, Dieter Tebbe, Eckhard Müller und Dr. Joerg Kremp ein neuer Dauerzustand.

(Bild links) „Schulabschluss 2026“: Schulleiter Tobias Raue (Bildmitte) verabschiedete beim Sommerfest der Kaufmännischen Schulen Rheine Dr. Joerg Kremp, Eckhard Müller, Dieter Tebbe und Rolf Tenambergen (v. links) in den Ruhestand.